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Thema
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19.10.2015

Aktuelles

Stuhltransfer bei CED: Experteninterview mit Prof. Franz Hartmann

Inhaltliche Unterstützer: Prof. Dr. med. Franz Hartmann

Prof. Dr. med. Franz Hartmann ist Facharzt für Innere Medizin/Gastroenterologie und inhaltlicher Unterstützer von LEBEN MIT CED. Im Interview erklärt er, was ein Stuhltransfer ist und ob diese Methode auch bei Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa eingesetzt wird.
Seit einiger Zeit taucht immer mal wieder der Stuhltransfer als mögliche neue Behandlung bei CED in den Medien auf. Was genau versteht man darunter?
Prof. Hartmann: Unter Stuhltransfer versteht man das Einbringen von Stuhl eines gesunden Spenders in den Darm, entweder Dünndarm oder Dickdarm, eines Patienten. Dies geschieht entweder über eine nasoduodenale Sonde  oder im Rahmen einer Spiegelung (Endoskopie) über den Dickdarm.
Warum könnte diese Methode einen Effekt auf CED haben?
Prof. Hartmann: Weil sich ganz offensichtlich das Mikrobiom, also die Darmflora, von Menschen mit CED deutlich von der Darmflora darmgesunder Menschen unterscheidet. Bestimmte Bakterien kommen z. B. seltener vor. Viele Fragen dazu sind jedoch noch offen. Nicht geklärt ist etwa, ob die Krankheit das Mikrobiom verändert oder das „andere Mikrobiom“ für die Krankheit zumindest mitverantwortlich ist.
Gibt es für Morbus Crohn oder für Colitis ulcerosa Hinweise darauf, dass der Stuhltransfer eine Wirkung haben könnte?
Prof. Hartmann: Dazu gibt es bisher nur vereinzelte wissenschaftliche Arbeiten, deren Ergebnisse unterschiedlich und nicht sehr aussagekräftig sind. Grundlagenforschung zum Mikrobiom ist allerdings ein neuer Forschungsschwerpunkt, nicht nur bei CED, sondern auch bei anderen chronischen Erkrankungen wie bei Diabetes, Fettleibigkeit (Adipositas), Reizdarm oder Gefäßerkrankungen wie Arteriosklerose.
Gibt es Krankheiten, bei denen der Stuhltransfer bereits als Therapie eingesetzt wird?
Prof. Hartmann: Stuhltransfer wird seit Jahren mit sehr guten Ergebnissen bei Dickdarmentzündungen eingesetzt, die durch das Bakterium Clostridium difficile verursacht sind, die sogenannte Clostridium-difficile-Colitis, und bei denen die herkömmlichen Behandlungen nicht wirken. Dort liegen die Heilungsraten bei über 90 %.
Wie wird so ein Stuhltransfer durchgeführt und der Stuhl vor der Übertragung aufbereitet?
Prof. Hartmann: Als Stuhlspender kommen lediglich gesunde Erwachsene infrage. Bei ihnen werden vorher umfangreiche Untersuchungen gemacht, um sicherzugehen, dass sie keine chronischen Erkrankungen bzw. Infektionen, die durch Viren oder Bakterien ausgelöst werden, haben.
Der gewonnene Stuhlgang wird dann mit Kochsalzlösung oder normalem Trinkwasser verdünnt aufbereitet, gefiltert und dem Stuhlempfänger zugeführt. Vor dem Stuhltransfer wird beim Empfänger eine Behandlung mit Antibiotika und anschließend eine Darmreinigung durchgeführt.
Wann wird der Stuhltransfer wohl als anerkannte Methode bei CED eingeführt?
Prof. Hartmann: Nach den bislang vorliegenden Erkenntnissen glaube ich eher nicht, dass der Stuhltransfer, so wie oben beschrieben, bei Menschen mit CED als generelle Behandlung infrage kommen wird. Zurzeit wird an einzelnen Bestandteilen des Stuhls mit bekannten günstigen Eigenschaften geforscht, um so zu einer Therapie zu kommen, die breiter angewendet werden kann und auch weniger Nebenwirkungen hat.
Auf keinen Fall sollte ein Stuhltransfer außerhalb kontrollierter klinischer Studien bei Menschen mit CED durchgeführt werden. Menschlicher Stuhl enthält neben hilfreichen Bakterien eine Vielzahl anderer, potenziell schädigender Keime (Bakterien, Viren, Pilze etc.) und Giftstoffe. Im Zweifelsfall können diese über eine geschädigte Schleimhautbarriere direkt in den Körper gelangen und erhebliche unerwünschte Wirkungen – von einem vorübergehenden Temperaturanstieg bis zur Blutvergiftung (Sepsis) – verursachen.