Aktuelles:
Du bist wissensdurstig? Wir auch!

Neuigkeiten aus Forschung und Medizin, Wissenswertes und Erstaunliches rund um CED: Hier halten wir Dich auf dem Laufenden.

Newsletter von LEBEN MIT CED


Aktuelles:
Du bist wissensdurstig? Wir auch!

Neuigkeiten aus Forschung und Medizin, Wissenswertes
und Erstaunliches rund um CED: Hier halten wir Dich auf
dem Laufenden. Um noch besser am Ball zu bleiben, melde
Dich gleich für unseren Newsletter an.
Thema
1
   
11.05.2020

Aktuelles

Corona und CED: Experteninterview mit Prof. Dr. Franz Hartmann

Experteninterview zu Corona und CED

Prof. Dr. med. Franz Hartmann ist Facharzt für Innere Medizin/Gastroenterologie und inhaltlicher Unterstützer von LEBEN MIT CED. Im Interview erläutert er wichtige Aspekte zum neuen Coronavirus (SARS-CoV-2) in Verbindung mit Morbus Crohn und Colitis ulcerosa.

Wie wird das neue Coronavirus (SARS-CoV-2) übertragen und zu welchen Beschwerden führt die damit verbundene Erkrankung COVID-19?

Prof. Dr. Hartmann: Das im Dezember in China gefundene neue Coronavirus kursiert mittlerweile nahezu auf der gesamten Welt. Es wird am ehesten durch eine sogenannte Tröpfcheninfektion von Mensch zu Mensch übertragen. Bei der Mehrzahl der Infizierten (etwa 80 %) verursacht, nach derzeitigem Wissensstand, es entweder keine oder nur milde Symptome wie Fieber, Kopfschmerz, Husten, Muskelschmerzen. Gelegentlich, bei bis zu einem Drittel, kommt es auch zu Durchfall, Bauchschmerzen und Übelkeit. Etwa 14 % der Betroffenen werden richtig krank, auch mit Atembeschwerden, und 5 bis 6 % werden schwer krank, bis hin zur Notwendigkeit einer Intensivtherapie mit künstlicher Beatmung. Die große Mehrheit der schwer Erkrankten sind alt (das durchschnittliche Erkrankungsalter der intensivpflichtigen Patienten liegt bei 81 Jahren in Deutschland) und/oder leiden unter einer Vorerkrankung.

Welche Bedeutung haben Morbus Crohn und Colitis ulcerosa hinsichtlich COVID-19?

Prof. Dr. Hartmann: Da Morbus Crohn und Colitis ulcerosa chronische Erkrankungen sind, die im Zweifelsfall über viele Jahre bestehen, stellen sich für Betroffene natürlich viele Fragen im Zusammenhang mit dem neuen Coronavirus. Dazu zählt etwa, ob die Symptomatik von COVID-19 einem akuten Schub einer CED ähnlich ist oder einen akuten Schub auslösen kann. Bislang gibt es noch keinen Hinweis, dass COVID-19 für einen neuen Schub einer CED verantwortlich sein könnte.

Welchen Einfluss haben Medikamente, die die körpereigene Abwehr dämpfen, auf eine Infektion mit dem neuen Coronavirus?

Prof. Dr. Hartmann: Bislang gibt es keine Hinweise, dass Immunsuppressiva, also Medikamente, die die körpereigene Abwehr schwächen, vermehrt zu Komplikationen oder einer schlechteren Prognose bei COVID-19 führen. Im Gegensatz dazu führt Rauchen auch bei COVID-19 zu einem deutlich schlechteren Verlauf.

Bei einem akuten Schub der CED können und sollten unverändert alle Medikamente, die infrage kommen, verabreicht werden. Allerdings sollten bei Älteren (> 65 Jahre), wie bereits vor der COVID-19-Pandemie, Therapien mit sogenannten Thiopurinen (Azathioprin/6-Mercaptopurin) möglichst vermieden werden, da diese Medikamente die Anzahl bestimmter Immunzellen (CD4+-Lymphozyten), die für die Bekämpfung von Viren wichtig sind, verringern können.

In keinem Fall sollten Medikamente verändert oder sogar abgesetzt werden, ohne vorher mit dem behandelnden Arzt gesprochen zu haben!

Welche Verhaltensweisen hinsichtlich der Corona-Pandemie sind für Menschen mit CED empfehlenswert?

Prof. Dr. Hartmann: Zur Vermeidung einer Infektion gelten auch für CED-Patienten die üblichen Maßnahmen (Robert-Koch-Institut):

  • Abstand halten
  • Kontakt mit infizierten Menschen vermeiden
  • Gesicht (Augen, Nase, Mund) nicht mit ungewaschenen Händen berühren
  • Häufiges Händewaschen mit Wasser und Seife für mindestens 30 Sekunden, insbesondere nach dem Toilettenbesuch, Husten, sich Schnäuzen und Niesen

Wo finden CED-Patienten verlässliche und aktuelle Informationen zu SARS-CoV-2 und ihrer Erkrankung?

Prof. Dr. Hartmann: Weitere Informationen zum Thema COVID-19 und CED bietet zum Beispiel die DCCV, etwa zur unterschiedlichen Wirkung von CED-Medikamenten auf die Immunabwehr oder auch zur Therapie im Fall einer COVID-19-Infektion.

Sobald eine Infektion mit SARS-CoV-2 festgestellt wurde, ist es wichtig, umgehend den behandelnden Gastroenterologen zu informieren.

Vielen Dank für das Gespräch!