Gemeinsam für die Therapie entscheiden
Welche Therapie ist für mich am besten? Die Antwort darauf sollten Ärzt*innen und Patient*innen zusammen finden und eine gemeinsame Entscheidung treffen.
Für eine CED gibt es viele unterschiedliche Behandlungswege. Welche Therapie für dich persönlich die beste ist, entscheidest du am besten gemeinsam mit deiner Ärztin bzw. deinem Arzt. Schließlich verfügt ihr beide über wichtiges Knowhow, wenn es um dich und deine Erkrankung geht. Medizinisches Fachwissen, Untersuchungsergebnisse, Behandlungsleitlinien können Ärzt*innen beisteuern. Du kennst dich aus, wenn es um deine Lebenssituation geht sowie deine Bedürfnisse und Erfahrungen mit der Erkrankung.
Quick Facts
- Shared Decision Making ist der Fachbegriff für die gemeinsame Entscheidungsfindung auf Augenhöhe für eine Behandlung.
- Übersetzt heißt es partizipative Entscheidungsfindung.
- Das Konzept findet auch wissenschaftlich immer mehr Beachtung.
- In den CED-Behandlungsleitlinien wird die partizipative Entscheidungsfindung empfohlen.
Gute Entscheidung: Shared Decision Making
Shared Decision Making bedeutet, dass Ärzt*innen und Patient*innen Informationen austauschen, Behandlungsmöglichkeiten abwägen und gleichberechtigt eine Entscheidung fällen. Für dich als Patient*in kann das bedeuten, selbstbestimmter mit der CED umzugehen, dich mit deiner Erkrankung besser auszukennen und stärker hinter der Therapie zu stehen. Es gibt zudem Hinweise, dass die gemeinsame Entscheidung sich positiv auf den Verlauf der Behandlung auswirken kann.
6 Schritte zur gemeinsamen Entscheidung
Wird Shared Decision Making als Konzept angewendet, kann der Weg zur passenden Therapie in sechs Schritten erfolgen:
1. Ziel des Gesprächs festlegen
Du besprichst mit deiner Ärztin bzw. deinem Arzt die Situation und ihr einigt euch, dass es das Ziel ist, über die CED-Therapie zu entscheiden.
2. Über die Beteiligung und Gleichwertigkeit sprechen
Ihr sprecht darüber, dass deine Einschätzung wichtig ist, um unter den verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten die zu finden, die zu dir und deinem Leben passt.
3. Vor- und Nachteile der Therapien erläutern
Deine Ärztin bzw. dein Arzt erklärt dir alle möglichen Therapien und ihre jeweiligen Vor- und Nachteile.
4. Deine Erwartungen und Bedenken beschreiben
Du beschreibst, was für dich bei der Therapie wichtig ist, welche Bedürfnisse und Erwartungen du hast und was bei der Entscheidung berücksichtigt werden soll.
5. Gemeinsam entscheiden
Gemeinsam werden nun alle Erkenntnisse abgewogen und eine Entscheidung getroffen, die beide Seiten berücksichtigt.
6. Weitere Schritte planen
Zusammen mit deiner Ärztin bzw. deinem Arzt planst du, wie die Therapie umgesetzt wird. Du erhältst z. B. ein Rezept und ihr vereinbart einen Kontrolltermin.
Tipp: Therapieziel
Nicht nur die Therapie selbst, auch das Therapieziel solltest du mit deiner Ärztin bzw. deinem Arzt gemeinsam festlegen. Ein wichtiges Ziel der CED-Therapie ist z. B. Mukosaheilung.
Bei CED die Kontrolle gewinnen
Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa kann dazu führen, dass du dich manchmal hilflos fühlst. Bewusste, gemeinsame Entscheidungen können dazu beitragen, Kontrolle zurückzugewinnen und möglichst auch Krankheitskontrolle zu erreichen. Auch wenn die Therapiewahl nicht immer nach einem strukturierten Konzept erfolgt, kann im Arztgespräch Offenheit, die Tatsache, dass du über mögliche Therapien informiert bist, und die Einbindung deiner persönlichen Bedürfnisse zu der richtigen Entscheidung beitragen.
Frimmer V. Shared Decision Making: Was es für eine gemeinsame Entscheidungsfindung braucht. Dtsch Arztebl 2025; 15: 874–877.
Sturm A, Atreya R, Bettenworth D et al. Aktualisierte S3-Leitlinie „Diagnostik und Therapie des Morbus Crohn“ der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) (Version 4.1) – living guideline. März 2024, AWMF-Registernummer: 021-004.
Blumenstein I, Schnoy E, Atreya R et al. Aktualisierte S3-Leitlinie Colitis ulcerosa (Version 7.0). November 2025, AWMF-Registernummer: 021-009.
Song K, Wu D. Shared decision-making in the management of patients with inflammatory bowel disease. World J Gastroenterol 2022; 28 (26): 3092–3100.